Archiv für den Monat: Mai 2013

Drachen

Stephy

Orientierungslos strich ich durch den Wald. Es war dunkel um mich herum, ständig lief ich gegen Bäume und Büsche. Ich war ziemlich verwirrt. Wie zur Hölle war ich in diesen vermaledeiten Wald gekommen? Die Antwort dazu konnte ich mir natürlich denken. Ich war wiedermal geschlafwandelt. Aber von einer Hochhauswohnung in der Großstadt in einen Wald zu kommen, ohne etwas zu bemerken, war selbst für mich eine Leistung. Fluchend lief ich weiter, die Hände dabei weit vor mich gestreckt, um nicht noch einmal die Rinde eines Baumes küssen zu müssen. So erotisch waren Bäume nun auch wieder nicht. Immer noch vor mich hin fluchend stolperte ich weiter. Meine nackten Füße konnte ich leider nicht vor den Ästen, Blättern, Unkraut und was weiß ich, was sich sonst noch so auf dem Waldboden befand, schützen. Dementsprechend hatte ich das Gefühl, das ich statt meinen Füßen nur noch schmerzende Klötze den den Enden meiner Beine hatte, als ich nach Ewigkeiten, es dämmerte langsam, auf eine Lichtung stolperte. Mit einem glücklichen Seufzen, ich konnte 1) wieder etwas sehen und musste 2) keine Angst mehr vor Bäumen haben, ließ ich mich in das weiche Gras fallen. Ich weiß heute nicht mehr, wann ich eingeschlafen war, doch ich wurde schließlich von einem vorsichtigen Stupser an meiner Wange und leisem Schnaufen geweckt. Zugegeben, ich hatte im ersten Moment wirklich Angst, das ein Bär oder ähnliches neben mir saß und mich jeden Moment fressen wollte. Was ich jedoch dann sah, als ich langsam ein Auge einen Spalt breit öffnete, ließ mich erschrocken schreiend hochfahren. Das kleine Wesen neben mir zuckte genau so erschrocken zurück und sah mich mit verletztem Blick an. Moment! Verletzt? Schockiert sah ich das Tier?, ich wusste es nicht ganz, an. Mein Verstand weigerte sich auch zu begreifen, was da vor mir saß. Allerdings ließen weder die lila glänzenden Schuppen noch die kleinen, offensichtlich noch nicht ganz ausgebildeten Flügel oder die scharfen Zähnchen, die aus dem kleinen Maul herausragten irgendwelche Zweifel zu. Vor mir saß doch tatsächlich ein kleiner Drache! Nachdem sowohl der kleine als auch ich den ersten Schrecken überwunden hatten, hockte ich mich langsam hin und musterte ihn genau so aufmerksam wie er mich.
Vorsichtig kam er dann schließlich wieder näher und legte den Kopf schief. Beinahe genau so vorsichtig streckte ich meine linke, wenn ich gebissen wurde, wollte ich wenigstens noch schreiben können, Hand aus und ließ den Kleinen daran schnuppern. Danach streichelte ich ihm sanft mit zwei Fingern über die Schuppige Stirn. Zu meiner Überraschung schnurrte der Kleine freudig, dann drehte er sich um, tappte ein paar Schritte weg, blieb stehen und quiekte auffordernd. Nach ein paar Sekunden verstand ich schließlich, was er von mir wollte und lief ihm hinterher. Der kleine Drache führte mich zu einer weiteren Lichtung ganz in der Nähe, wo er sich dann neben eine Eierschale legte. Eine riesige Eierschale. Eine Eierschale, in die ein kleiner Drache passen würde. Dann machte es klick bei mir.
„Oh, verdammt. Du glaubst doch nicht etwa, das ich deine Mama bin?“ entfuhr es mir dann. Der Kleine quiekte nochmal, kam wieder auf mich zu und streifte mir um die Beine.
„Aber ich kann doch nicht…“
Ein flehender Blick aus veilchenblauen Augen. Ein leises Schnurren. Verdammt!
„Oh man, na super. Okay, Kleiner, dann lassen wir uns halt was einfallen. Dem Blick kann ich wirklich nicht widerstehen. Und hey, wer sonst kann sich sonst Drachenmama nennen?“
Tja, und so wurde ich also Drachenmama. Ich hab wirklich noch keine Ahnung, wie es mit meinem Baby weitergehen soll, aber gut. Das bekommen wir schon irgendwie hin.

Der etwas andere Pirat

Nicky

„Wir haben ein Leck. Max sag dem Käpt´n bescheid.“ Der alte Jim zeigte mit der einen Hand auf die Treppe, die zum Deck führte und mit der Anderen versuchte er verzweifelt das Leck zu zuhalten. Ich  nickte Jim, wissend was zu tun ist, zu und lief an Deck zum Käpt´n unserer Piratenbande. Der alte Jim und ich wurden vom Käpt´n beauftragt die Schiffsladung zu befestigen,weil uns ein Sturm überrascht hatte und die Ladung das Schiff sonst noch mehr zum Schaukeln brachte. Dies stellte sich allerdings am Ende schwieriger als geplant heraus. Die Fässer und Kisten schwankten immer hin und her und zerquetschen  mich fast. Jim hatte mich noch rechtzeitig zur Seite  geschubst, als ein Fass auf mich zu rollte. An Deck angekommen peitschte mir der Wind auch schon um die Ohren. Die Frisur war damit hinüber. Als ich mich umschaute, sah ich nur unkontrollierbares Chaos. Taue und Seile hängten da, wo sie eigentlich nicht sein sollten, die Segel waren an vielen Stellen zerrissen, Männer und Frauen  liefen  wie wild und hin und her und  am Schlimmsten war,dass der Käpt´n  am Steuer stand und lachte. Wie konnte ein Mann lachen, wenn wir alle gerade drauf gehen? Ich verstand es nicht und würde es auch nie verstehen. Ich kämpfte mich durch die Menge der verrückt gewordenen Leute. In einer Ecke hörte ich wie 3 Männer Wetten abschlossen, wer als Erster ins Jenseits wanderte. Mein gedachter Kommentar dazu;  na dann viel Glück. Völlig nass und halb erfroren kam ich beim Käpt´n an. Ich fragte vorsichtig:˶  Käpt´n?“  Der schien mich nicht wahr zu nehmen und lachte immer noch. Ich vermutete mal, dass der  den Verstand verloren. Hatte. ˶ Käpt´n?“ Ich versuchte es noch einmal lauter, aber der Käpt´n lachte einfach weiter.˶Käpt´n“ schrie ich ihm jetzt ins Gesicht. Der Käpt´n lachte noch lauter und ich legte ihm meine linke Hand auf die Schulter, um nicht umzufallen. Um uns herum tobte der Sturm heftiger. Hagel und dicke Regentropfen prallten auf das bereits von Wellen überflutete Deck. Ich hatte die Nase gestrichen voll. Ich ballte mit der rechten Hand eine Faust und schlug dem Käpt´n volle Breitseite ins Gesicht. Der Käpt´n ließ endlich das Steuer los und sah mir eiskalt in die Augen, sodass es mir durch Mark und Bein lief. ˵Käpt´n! Wir haben ein Leck im Lagerraum. Was sollen wir jetzt machen?“ Ich versuchte es ihm so schonend wie möglich beizubringen, aber was dann als Nächstes geschah, war nicht geplant. Der Käpt´n wendete sich wieder dem Steuer zu und fing erneut an zu lachen. Oh Mann, wär ich doch bloß zu Hause geblieben. Der Käpt´n hat definitiv eine Schraube locker. ˶ Weißt du was Landratte. Das Leben ist erst lebenswert, wenn es genau solche Momente gibt. Also genieße es.“ Nur leider hasste ich solche Momente. Der Käpt´n ließ das Steuer wieder los, schnappte sich eine Flasche Rum, die auf dem Deck hin und her schaukelte und trank sie mit einem großem Zug leer, dann lachte er weiter. Verwirrt, verzweifelt und ohne Plan stolperte ich zurück in den Lagerraum.
˶ Und? Was hat er gesagt?“ Der alte Jim sah mich hoffnungsvoll an. Es tat mir jetzt richtig leid ihm die schlechte Nachricht des Käpt´n zu überbringen. ˶Nichts. Der Käpt´n hat den Verstand  verloren. Wir sind auf uns allein gestellt.“ Entsetzt und zitternd fing er  sich eine Kiste und setzte sich darauf. Er hatte das Leck mit ein paar Brettern zu genagelt, diese würden aber nicht lange halten. „ Gott allein weiß was zu tun ist.“ betend streckte der alte Jim die Hände zum Himmel. Ich schnappte mir ebenfalls  eine Kiste und setzte mich Jim gegenüber. Das Wasser reichte mir mittlerweile fast bis zu den Knien und ich konnte meine Füße schon lange nicht mehr spüren, weil das Wasser so beißend kalt war. „ Weißt du Max? Ich habe immer geglaubt auf See finde ich, der alte Jim, Vergebung“ „ Wovor suchst du Vergebung Jim? “ Ich verstand die Welt nicht mehr, als er auf die Frage antwortete. „ Ich habe deine Mutter Sophia gekannt. Ich habe sie über alles geliebt. Sie war die schönste und klügste Frau auf der ganzen Welt. Ich hoffe du kannst mir eines Tages verzeihen. Es tut mir leid. Ich habe dich und deine Mutter im Stich gelassen, als du noch in den Windeln lagst, nur um mein Piratenleben weiter führen zu können. Ich habe keine Ahnung was deine Mutter dir erzählt hat, aber eins sollst du wissen. Ich habe sie immer geliebt. Kurz bevor dein Vater starb bat er mich auf dich und deine Mutter aufzupassen. Aber mir war die See wichtiger als Sophia und du.“Der alte Jim schloß kurz die Augen und atmete noch einmal tief durch, bevor er mich  direkt ansah. „ Weißt du, dein Vater war ein großartiger Pirat. Er starb in einem Seegefecht mit der Marine. Er wäre bestimmt stolz auf dich.“ An dieser Stelle fingen seine Augen zu leuchten an und eine kleine Träne rollte über seine rechte Wange.  „ Ich habe immer geglaubt, mein Vater wäre an einer schweren Krankheit gestorben und er sei ein berühmter Marinesoldat gewesen.“ „ Hat Sophia dir das so erzählt?“ Ich schwieg. Meine Mutter hatte mir viel erzählt, wenn der Tag lang genug war. Sie hatte mir erzählt mein Vater wäre ein toller Soldat gewesen. Er hätte viele Abenteuer erlebt und er war auf dem Schiff des  legendären Piratenkönigs, um ihn schlussendlich festzunehmen. Sie hatte mir auch erzählt, er wäre krank gewesen und dann irgendwann gestorben. Mein Ziel und Traum war es immer genauso zu werden wie er, ein großer Seemann mit dem Unterschied, das ich Pirat werden wollte. Ich wollte  immer alles dafür tun, das er stolz auf mich ist. Die Tatsache, dass er ebenfalls ein Pirat und anscheinend doch kein so toller Mann war,  ändert leider vieles. Falls der alte Jim erreichen wollte mir den Boden unter den Füßen wegzureißen, dann herzlichen Glückwunsch. Er hatte es geschafft. Mich brachte eigentlich nichts aus der Ruhe, aber das hatte gesessen. Mein Blick fiel auf meine Füße. Sie waren jetzt endgültig aus Eis. Das Wasser war  leider noch weiter gestiegen und meine Oberschenkel waren jetzt auch nass. Na toll! Kann es eigentlich noch schlimmer werden? Der Sturm tobte immer noch und an Deck waren die Schreie irgendwie lauter geworden. Sie klangen jetzt nicht mehr wie Schreie sondern eher wie weinen und klagen. Anscheinend dachten die Letzten  jetzt auch ans Sterben. Ich stand auf und die Kiste schaukelte wieder weiter. Ich sah in die blass blauen Augen des alten Jims , die auf einmal noch viel älter wirken. „ Eins sollst du noch wissen bevor wir alle hier ersaufen, Ich bin immer stolz auf dich gewesen.“ Und damit stand er ebenfalls auf und ging an Deck. Was dann mit ihm geschah, weiß ich nicht mehr. Ich blieb somit alle im Frachtraum zurück und ließ mir seine Worte noch einmal durch den Kopf gehen bis mich plötzlich irgendetwas am Hinterkopf traf und ich das Bewusstsein verlor.

 

Das Korkenrennen

Stephy

Breit strahlend saß der kleine Junge am Rand des Flusses. Die nackten Füße hielt er in das kalte Aprilflusswasser und zog sie immer, wenn das Kribbeln in seinen Füßen stärker wurde, laut schreiend und lachend hoch und streckte Beine und Zehen in die Luft. Hinter ihm saß seine Familie auf einer Decke im feuchten Gras. Seine Eltern und seine große Schwester lächelten jedes Mal, wenn er glucksend auf seine kalten Füße zeigte. Irgendwann rief seine Mutter ihn zu sich. Umständlich stand er auf und rannte zu ihr. Sie erwartete ihn mit einem großen, flauschigen Handtuch in den Händen, mit dem sie ihn trocken rubbelte. Auf ihr Nicken hin zog sein Vater den Kleinen auf seinen Schoß und nahm seine Füße zwischen die großen starken Hände, um sie zu wärmen. Um die kleine Familie herum saßen noch weitere Familien, die freudig auf den Beginn des Festes warteten. Schließlich ertönte eine Trompete. Erwartungsvoll blickte er Kleine zu seiner Mutter, die bereits in ihrer Tasche wühlte und ihm dann vorsichtig ein kleines Bötchen aus Kork in die Hände drückte. Seine Schwester stand mit ihm zusammen auf. Ungeduldig griff er nach ihrer ausgestreckten Hand und zog sie zu einer niedrigen Brücke, auf der sich nach und nach die Kinder versammelten. Auf ein Signal hin ließen alle die kleinen Korkfiguren ins Wasser und sahen ihren Kunstwerken lachend und schreiend nach.

Auch die Eltern standen nun auf und liefen zum Ufer, um das Rennen zu beobachten. Die Mutter des Jungen, sie war inzwischen beinahe so aufgeregt wie ihr Sohn, zog ihren Mann schließlich heftig am Arm und deutete mit dem Finger auf das Boot mit dem Papiersegel, das als Erstes die Zielmarkierung passierte. Laut jubelnd fielen sie sich in die Arme, bevor sie ihre glücklichen Kinder wieder in Empfang nahmen. Die kleinen Korkfiguren trieben indessen weiter den Fluss entlang und zauberten jedem, der sie sah, ein glückliches Lächeln ins Gesicht.

Chinesische Teedosen

Stephy

Als meine Familie das erste Mal in meine neue Wohnung kam war die erste Reaktion ein allgemeines: „Oh mein Gott!“

Leider allerdings nicht, weil meine Wohnung so stilvoll eingerichtet war. Aber, glücklicherweise, auch nicht durch absolute Geschmacklosigkeit. Meine Wohnung wurde einfach nur von unglaublich vielen Ausgaben eines einzigen Gegenstandes dominiert. Denn jeder Ecke fanden sich Chinesische Teedosen! Sie waren wirklich überall. Als Regale an den Wänden, auf dem Sideboard als Blumentöpfe für meine Orchideen, in der Küche als Behälter für Reis, Nudeln und Co. Es gab selbstgebaute Regale aus Teedosen, einen Tisch… Nun ja, sie waren eben überall. Es gab natürlich auch nicht wenige, die mich, zumeist liebevoll, als völlig verrückt bezeichneten. Aber waren Briefmarkensammler denn weniger verrückt? Nur, weil ihr Hobby weniger Platz in Anspruch nahm? Immerhin kann ich meine Teedose sinnvoll verwenden. Oder haben Sie schon mal ein Regal aus Briefmarken gesehen? Eben!

Inzwischen ist aus meinem Hobby sogar ein recht lukratives Nebeneinkommen geworden. Meine Mutter hatte Bekannten davon erzählt und die waren dann in Scharen in meine Wohnung gestürmt und hatten mir fast die Bude ausgeräumt!

So, ihr kleinen Briefmarkensammler, wer war nochmal verrückt?

Bänder

Nicki

Ein weißes Band wedelte im Wind. Es hing an einem Ast einer alten Eiche im Stadtpark. Es war

bereits dunkel und der Mond schien rund und hell wie eine Taschenlampe auf einem von Sternen bedeckten Himmel.

Mona nahm das Band in die Hand. Es fühlte sich rau an. Wie eine Bandage der alten Mumien mit denen sie arbeitete. Plötzlich wurde der Wind stärker und hinter ihr raschelte es. Vor Schreck ließ sie das Band los und es flog ein paar Meter weiter auf einen anderen Ast. Verdammt, sie guckte einfach zu viele Horrorfilme. Vielleicht lag es auch einfach an der nächtlichen Uhrzeit und an der gruseligen Atmosphäre. Dennoch folgte auf den Windstoß ein Schatten und ein Schauer lief ihr den Rücken hinunter. Sie hörte ein erneutes Rascheln im Gebüsch.

Kommentar: So meine Liebe hier endet mein Geschichte. Natürlich ist jetzt nicht das Ende der Welt. Somit bitte ich euch, schreibt, denkt oder malt und was auch immer, selbst das

Ende der Geschichte. Feedback ist hiermit immer erlaubt.

Pferde-Galoppel


Idee & Trick: Pia Schmidt
Produktion: www.kjfe-go.de
Musik: The Crate Catsby, Album Acoustic Routes by Raulin de los Bosques
Geräusche: Horse Neigh by Mike Koenig, Horse Blow by Stephan Schutze, Cat Meowing 2 by Mr Smith

Elterncafé im go

Ausnahmsweise am Samstag (den 25. Mai) statt am Sonntag öffnen wir unser Haus für alle Kinder und Eltern zum Quatschen und Spielen. Natürlich grillen wir wir wieder. (Für Würste, Brötchen und Getränke ist gesorgt. Lieblingsspeisen bitte mitbringen.)

Martin wird die Themenreihe “Internet-Zeitalter” vorstellen. Hierzu sammeln wir noch Eure Wünsche und Anregungen. Diese Themen sind in Vorbereitung.

Zum Abschluss schauen wir einen .

HUMAN LOOPS im go

HUMAN LOOPS ist eine Kooperation zwischen Tänzern und Chorsängern aus Spanien und Deutschland. Zuschauerraum und Bühne verschmelzen zu einem lebendigen Museum. Der Zuschauer kann sich frei durch die einzelnen Szenen bewegen.

26. Mai von 18 bis 22 Uhr Benefiz-Veranstaltung im go (offener Anfang und Ende)

Konzept, Regie und Choreographie: Meritxell Campos Olivé