Masken – Wölfe der Regierung

Nicki

Die Nacht war dunkel und die Laternen auf der Straße gaben nicht wirklich viel Licht her. Sie lief in ihrem blauen seidenden Abendkleid und einen schwarzen Mantel die Straße entlang. Die kleine Handtasche unter dem Arm geklemmt und mit  Stöckelschuhen klackernden Schritts, beeilte sie sich, um den finsteren Kreaturen der Nacht wie Vergewaltigern, Dieben und Wölfen der Regierung nicht zu begegnen. Die Regierung ordnete eine Ausgangsperre ab Mitternacht an, mit dem Vorwand, so die Kriminalität in diesen bereits sterbenden Land besser einzudämmen und diese vor allem kontrollieren zu können.

Nur Pech, dass es bereits  weit nach Mitternacht war. Die Wölfe der Regierung waren Polizisten mit Wolfsmasken und schwarzen Umhängen, die vor allem dunkle Seitenstraßen bevorzugen und Jagd  auf alles, was die Regeln bricht machen. In dem Fall auch sie selbst. Man sagt ihnen nach, sie seien grausam und jeder, der von ihnen erwischt wird, kehrt nie wieder zurück oder wurde lebend gesehen. Mit diesem Wissen lief sie noch schneller, als sie in eine der besagten Seitenstraßen abbog. Die Laternen hier funktionierten kaum oder waren kaputt. „ Scheiß Kapitalismus“ flüsterte sie vor sich hin, während sie ihren Kragen des Mantels enger an sich zog, so als würde sie frieren.

Plötzlich erschien  am Ende der Seitenstraße eine dunkler Schatten. Sie erschrak und blieb wie angewurzelt stehen. In der Hoffnung, dass sie noch nicht entdeckt wurde, schaute sie sich um und entdeckte eine große Mülltonne, hinter der sie sich verstecken konnte. Schnell lief sie zur Mülltonne, da tauchte ein zweiter Schatten hinter ihr auf und hielt ihr den Mund zu. „Wenn du hübsches Ding jetzt schreist, dann bring ich dich gleich um.“ Sofort spürte sie eine Pistole an ihrem Rücken. Ihr Angreifer entdeckte ebenfalls die Mülltonne und zog sie dort hin.

Der erste Schatten am Ende  der Seitenstraße formte sich zu  einer Gestalt mit Wolfsmaske und einem schwarzen Mantel. „Verdammt ein Wolf. “ Der Angreifer hinter ihr fluchte leise und drückte ihr die Pistole noch enger in den Rücken, sodass sie vor Schmerzen und Angst leise aufstöhnen musste. „ Sei ruhig du verdammte Schlampe.“ flüsterte er ihr ins Ohr. Der Wolf bog in die Seitenstraße ein und näherte sich der Mülltonne. Der Angreifer fing an zu schwitzen. Sie spürte seine Schweißperlen auf ihre Hand tropfen. Ihr war es so ziemlich egal, ob sie entdeckt wurden. Sie hatte die Wahl, entweder tötete sie ihr Angreifer oder der Wolf jagte sie. Dennoch zog sie ihren Angreifer vor. Die Angst vor dem Wolf war zu groß. Noch ein paar Schritte und dieser erreichte die Mülltonne.

Tap. Tap. Nun rann auch ihr der Schweiß von der Stirn. Unglücklicher Weise kitzelte eines ihrer langen, braunen Haare in ihrer Nase und sie musste sich krampfhaft das Niesen verkneifen. Der Wolf blieb jetzt genau vor der Mülltonne stehen und schaute sich um. Einen Moment spürte sie eine unheimliche Kälte und ihr Herz blieb für einen gefühlt  sehr langen Moment stehen. Sie hatten Glück, der Wolf lief weiter zur Hauptstraße. Als dieser um die Ecke bog, spürte sie, wie ihr Angreifer sichtlich aufatmete und sie selbst seufzte leise irgendwie beruhigt. Als jedoch der Angreifer sie aus ihrem Versteck zurück auf die Straße zog, wurde ihr schmerzlich bewusst, dass sie doch noch ein Problem hatte.

Mit ihrem rechten Stöckelschuh trat sie ihrem Angreifer auf den Fuß, so fest sie konnte. Dieser schrie auf, ließ sie kurz los, aber nur, um sie zu sich umzudrehen. Sie schaute in eiskalte blaue Augen und wie sie enttäuscht feststellen musste, in eine weitere Maske. Sie hatte gehofft, wenigstens noch das Gesicht ihres wahrscheinlich Mörders sehen zu können, bevor dieser ihr das Licht ausknippste. Dann hörte sie ein leisen Klicken und dann war ihr Körper auf einmal sehr schwer und sie verlor das Gleichgewicht. Sie fiel auf den harten  Asphaltboden und sah die Sterne am Himmel. Der Mann mit der Maske rannte eilig davon. Das Letzte woran sie sich erinnerte, war der helle Mond und das Klagen des Windes.